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DNOA-Initiative · Heiko Mania · Admin · 2 Follower · 18.09.2026 · 168 Aufrufe

Digitalisierung ist noch kein Outcome: DNOA bekommt einen ersten Assessmentbogen

Digitalisierung ist noch kein Outcome: DNOA bekommt einen ersten Assessmentbogen

Digitalisierung soll Pflege entlasten. KI soll Dokumentationszeit sparen. Sensorik soll Sicherheit erhöhen. Automatisierung soll Prozesse vereinfachen.

Das Problem: Wir behaupten ziemlich viel – aber wir messen erstaunlich wenig davon systematisch.

Natürlich gibt es Projektberichte, Usability-Befragungen, Zeitmessungen und Herstellerangaben. Was häufig fehlt, ist ein gemeinsamer Blick darauf, was eine digitale Intervention im realen Pflegeprozess tatsächlich verändert.

Genau hier setzt das Digital Nursing Outcome Assessment (DNOA) an.

Nach dem ersten Rahmenmodell und dem DNOA-Indikatorenkatalog gibt es jetzt einen weiteren Schritt: Mit dem DNOA Assessmentbogen 0.1 liegt erstmals ein Arbeitsinstrument vor, mit dem sich digitale Interventionen strukturiert vor und nach ihrer Einführung untersuchen lassen.

Und jetzt wird es interessant. Denn damit muss DNOA raus aus dem Konzeptpapier und rein in die Praxis.

Die falsche Frage lautet: Wie viel Zeit spart die Software?

Nehmen wir ein einfaches Beispiel.

Eine KI-basierte Sprachdokumentation reduziert die eigentliche Dokumentationszeit einer Pflegefachkraft um zehn Minuten.

Klingt nach zehn Minuten Zeitgewinn.

Aber vielleicht benötigt die Pflegefachkraft anschließend drei Minuten, um den erzeugten Text zu kontrollieren. Eine weitere Minute geht für Korrekturen drauf. Gelegentlich funktioniert die Übertragung nicht. Und weil die Integration in das Primärsystem noch nicht vollständig funktioniert, müssen bestimmte Informationen zusätzlich manuell übernommen werden.

Wie viel Entlastung haben wir dann tatsächlich geschaffen?

Genau deshalb interessiert sich DNOA nicht primär für die Bruttoersparnis, sondern für die Netto-Wirkung.

Eine der zentralen Größen dafür nennen wir Nursing Time Returned (NTR).

Vereinfacht:

NTR = vermiedener bisheriger Arbeitsaufwand minus neu entstandener digitaler Arbeitsaufwand.

Die spannende Kennzahl ist also nicht, wie schnell eine Software eine Aufgabe erledigt.

Die spannende Frage lautet:

Wie viel professionelle Pflegezeit gibt uns Digitalisierung tatsächlich zurück?

Digitalisierung kann Arbeit auch nur verschieben

Für Pflegeinformatiker:innen ist das keine völlig neue Erkenntnis. Ein schlecht integriertes digitales System digitalisiert nicht automatisch einen Prozess. Manchmal digitalisiert es lediglich dessen Probleme.

Aus einem Papierformular werden zehn Pflichtfelder. Aus einer Übergabe wird ein zusätzlicher Systemwechsel. Aus einer automatischen Dokumentation entsteht eine Kontrollaufgabe. Und aus einer vermeintlichen Schnittstelle wird Copy-and-paste.

Deshalb reicht NTR allein nicht.

Mit dem Digital Burden Index (DBI) wollen wir zusätzlich sichtbar machen, welche neue digitale Last eine Intervention erzeugt.

Dazu gehören beispielsweise zusätzliche Logins, Systemwechsel, Medienbrüche, Doppeldokumentation, Korrekturen, Workarounds, technische Störungen, unnötige Meldungen oder zusätzliche manuelle Kontrollen.

Eine Technologie könnte also durchaus Pflegezeit zurückgeben und gleichzeitig die digitale Belastung erhöhen.

Und genau diese Ambivalenz ist interessant.

Sechs Dimensionen statt einer Ampel

DNOA soll deshalb ausdrücklich kein weiteres Produktsiegel werden.

Eine Software bekommt nicht einfach 87 von 100 Punkten und ist damit „gut“.

Der Assessmentbogen betrachtet sechs Dimensionen:

Pflegezeit, Prozesswirkung, Pflegequalität und Patientensicherheit, Pflegefachkräfte, Patient:innen und Bewohner:innen sowie Information und Digitalität.

Das ist wichtig, weil digitale Wirkung selten eindimensional ist.

Eine Technologie kann Zeit sparen, aber die Informationsqualität verschlechtern. Sie kann die Dokumentation verbessern und gleichzeitig Pflegefachkräfte mit zusätzlichen Interaktionen belasten. Oder sie erzeugt zunächst mehr Aufwand, verbessert aber langfristig die Prozessqualität.

Ein einzelner Gesamtscore würde solche Effekte eher verstecken als erklären.

T0, T1 und T2: Vorher messen wäre hilfreich

Eine weitere Banalität, die in Digitalprojekten erstaunlich schnell vergessen wird: Wer später eine Verbesserung nachweisen möchte, sollte wissen, wie es vorher war.

Deshalb sieht DNOA mindestens zwei Messzeitpunkte vor.

T0 bildet den Ausgangsprozess ab. T1 betrachtet denselben Prozess nach Einführung und einer angemessenen Stabilisierungsphase. Optional kann mit T2 überprüft werden, was von der Wirkung im Routinebetrieb übrig bleibt.

Dabei geht es nicht nur um Minuten.

Der Assessmentbogen erfasst unter anderem Prozessschritte, Dokumentationsaufwand, Systemwechsel, Medienbrüche, Korrekturen, Informationsverfügbarkeit und Auswirkungen auf Pflegefachkräfte.

Und auch der Kontext gehört dazu.

Denn dieselbe Anwendung kann auf einer Station mit sauber integrierten Systemen hervorragend funktionieren und drei Etagen weiter aufgrund schlechter WLAN-Abdeckung, anderer Prozesse oder fehlender Schnittstellen ganz andere Ergebnisse produzieren.

DNOA bewertet deshalb nicht einfach ein Produkt. Es bewertet eine digitale Intervention in einem konkreten Pflegeprozess und Versorgungskontext.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Jetzt darf DNOA kaputtgehen

Der DNOA Assessmentbogen trägt ganz bewusst die Versionsnummer 0.1. Ihr findet diesen in den Downloads zur Initiative (vorher bitte kostenlos anmelden).

Denn jetzt wäre der schlechteste Zeitpunkt, so zu tun, als hätten wir bereits einen fertigen Standard entwickelt.

Wir haben Hypothesen. Wir haben ein Rahmenmodell. Wir haben einen ersten Indikatorenkatalog. Und wir haben jetzt ein Instrument, mit dem sich überprüfen lässt, ob das Ganze außerhalb eines Konzeptpapiers überhaupt funktioniert.

Der nächste Entwicklungsschritt heißt deshalb nicht DNOA 1.0.

Er heißt: testen.

Welche Indikatoren funktionieren im Stationsalltag? Welche Daten bekommen wir ohnehin aus den Systemen? Wo müssen Pflegefachkräfte zusätzlich dokumentieren? Welche Messungen sind wissenschaftlich interessant, aber praktisch völlig unrealistisch? Und welche Wirkungen haben wir bislang übersehen?

Genau dabei brauchen wir unterschiedliche Perspektiven.

Pflegefachkräfte wissen, wo digitale Prozesse im Alltag tatsächlich Arbeit erzeugen oder abnehmen.

Pflegemanager:innen müssen beurteilen können, ob Investitionen und Prozessveränderungen tatsächlich Wirkung entfalten.

Pflegeinformatiker:innen können zeigen, welche Effekte technisch messbar sind und wo Integration, Datenqualität und Interoperabilität die Ergebnisse beeinflussen.

Und Pflegewissenschaft kann helfen, aus interessanten Messwerten belastbare Aussagen zu machen.

Gesucht: echte digitale Pflegeprozesse

Deshalb möchten wir DNOA 0.1 jetzt nicht weiter theoretisch perfektionieren.

Wir suchen konkrete digitale Interventionen, an denen wir den Assessmentbogen ausprobieren können.

Das kann eine sprachbasierte Pflegedokumentation sein. Eine automatische Vitalwertübernahme. Ein KI-Assistent. Sensorik. Ein digitales Assessment. Eine mobile Dokumentationslösung. Oder ein völlig anderer digital unterstützter Pflegeprozess.

Entscheidend ist nur, dass wir uns gemeinsam eine Frage stellen:

Was hat sich für die Pflege tatsächlich verändert – und können wir es messen?

Der DNOA-Indikatorenkatalog 0.1 und der DNOA Assessmentbogen 0.1 stehen dafür als Arbeitsversionen zur Verfügung.

Beides darf kritisiert, verändert und weiterentwickelt werden.

Denn wenn DNOA irgendwann ein brauchbarer offener Standard werden soll, darf er nicht nur aus Pflegeinformatik bestehen.

Er muss mit Pflege entstehen.

Wer einen passenden Anwendungsfall hat oder DNOA 0.1 mit uns testen möchte: Meldet euch hier in der Initiative und bringt euren Prozess mit.

dnao2

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt.

DNOA, Pflegeinformatik, Digitalisierung, Pflege, Outcome

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